Die Fahrradsafari in Braunschweigs domestizierte und wilde Naturwelten

Wir beginnen an einer Baustelle, die um einen Baum gebaut wurde, inmitten der Braunschweiger Innenstadt.
Auf dem Fußgängerweg daneben, liegen mit Gras bewachsene Handtücher, Liegewiesen von
Stephanie Ponndorf inmitten des funktionalen Raums.
Viele Fahrradfahrer sind gekommen. Mehr als vierzig. Die Menschen, die ohne Fahrrad gekommen sind, bekommen einen Platz in einer Rikscha.
Wir verteilen Samenbomben an die Fahrradfahrer und erklären Ihnen, dass sie diese auf der Fahrt an den Stellen abwerfen können, wo sie sich wünschen, dass dort bald Blumen wachsen.
Wir fahren los, hinein in die Wildnis. Auf der Fahrt, benenne ich Dinge, die mir ins Auge springen und spreche sie ins Mikrophon.

"Bäume warten. Menschen suchen den Rausch, wie hier auf dem Karussell." ... "Menschen pflastern ihre Strassen, damit sie auf diesen besser fahrradfahren können." ..."Menschen jäten die Pflanzen, die zwischen den Pflastersteinen sprießen." ... "Eine kleine Wiese wächst unter dem Mülleimer, dort wo das Jäten vergessen wurde." ... "Menschen stellen sich Blumen in ihre Fenster, weil sie Blumen schön finden." ... "Menschen stellen beschnittene Bäumchen vor ihre Geschäfte, um Kunden anzulocken." ... "Diese Pflanzen sprengen ihre Samen heraus. Eine Berührung reicht und sie haben einen Orgasmus." ... "Menschen zäunen spezielle Areale vom Rest der Welt als Parks ab. In Parks gehen sie um zu lesen, sich zu unterhalten oder um sich zu küssen." …

Wir halten bei Jiwon Kim im Park. Sie gibt uns mit Blumen bestückte Pfeile, damit wir diese an einen Baum werfen. Wir werfen. Wir werfen lange, weil es sehr viele Pfeile sind, solange bis der Baumstamm blüht. Dann fahren wir weiter.

"Pilze wachsen auf Steinen." ... "Menschen bauen wilde Tiere in Stein nach, um sie sich in den Park zu stellen." ...

Wir erreichen den Wehr, durch den die Wassermengen rauschen. Surya Tüchler und Simone Donha transportieren in ihrem Ritual, ganz langsam 10 Liter Wasser und einen kleinen Fisch von der einen Seite des Wehrs auf die andere.

Wir fahren weiter. "Menschen pflanzen sich fort und kriegen Kinder." ... "Menschen strukturieren mit Bäumen ihre Umgebung: Ein Baum, zwei Meter, ein Baum, zwei Meter, ein Baum, zwei Meter...." ... "Menschen lassen auf Balkonen Pflanzen wachsen, um sie dann zu essen. Wer möchte probieren wie dieses Kraut schmeckt?" (das ich von einem Balkon klaute)... "Menschen verwandeln Naturmaterialien so lange, bis sie zu Luxusgüter werden, wie rote Porsche, mit denen sie durch die Gegend fahren." ...

Wir erreichen eine Verkehrsinsel, inmitten des Flusses rauschenden Verkehrs. Sie zu erreichen war schwierig, da kein Fahrrad- oder Fußgängerweg dorthin führt. Wir machen hier eine Pause. Wir lassen uns nieder auf dem Beton und unter dem einzigen Baum dieser Insel und essen Äpfel.

Nach ein bisschen Erholung, gehen wir weiter. Direkt an der Straße, hinter der Hecke ist ein verlassener, wilder Tümpel.
Elizabeth Wurst singt hier. Singend zerrt sie einen verschlammten Einkaufswagen aus dem Schlick und schiebt ihn dann die Straßen entlang. Wir
fahren langsam hinter und vor ihr her. Sie bringt den Einkaufswagen zurück zu Rewe und geht. Der Filialleiter ruft die Polizei. Wir warten. Die Polizei kommt. Wir rufen Elizabeth an. Wir warten. Elizabeth kommt wieder. Die Polizei geht. Wir schwingen uns auf die Fahrräder und fahren weiter.

Zwischen alten, verwilderten Schienen des Westbahnhofs, dort wo viele Birken wachsen, erreichen wir die Naturinsel und die Videoinstallation von Sabine Hauptmanns, die uns davon erzählt, wie sie sich hier einmal zwischen die Birken klemmte. Auf der Naturinsel gibt es ein Zelt, Kissen, Brot, Käse und Biogemüse. Wir lassen uns nieder. Essen. Reden. Jede einzelne gesehene Arbeit wird besprochen. Kinder, Erwachsene, Künstler und Gäste erzählen sich gegenseitig was sie heute erfahren haben.

Julia Dick

 

Fotos: Martina Behling

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